Ein Praxisbeispiel für den Morgenkreis in der KiTa bei nichtsprechenden Kindern.

Vielen Dank an Lea Erkens für diese tolle Idee!

Heute möchten wir Euch ein ganz besonders Beispiel aus der Praxis vorstellen, bei dem ein Audiostift nicht nur beim Sprechen lernen hilft, sondern sogar die Brücke zur Kommunikation darstellt.

Unsere Kundin Lea hat einen Sohn namens Jona. Ihr Sohn ist mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen und konnte nicht sprechen. Er kommunizierte mit Gebärden, Lauten und Mimik, sodass er sich in vielen alltäglichen Situationen verständlich machen konnte.

Jede Woche gab es in seiner KiTa einen Morgenkreis, in dem jeder von seinem Wochenende erzählen sollte. Für Jona natürlich eine unbefriedigende Situation, da auch er von seinen Erlebnissen berichten wollte, seine Spielkameraden ihn jedoch ohne den situativen Kontext kaum verstehen konnten.

Anforderungen an die Kommunikationshilfe:

Um Jona zu unterstützen, hat Lea sich verschiedene Sprachwiedergabegeräte angeschaut und die für diesen Zweck wichtigsten Kriterien aufgestellt:

  1. Kompakt. Es muss zusammen mit der Butterbrotdose in die Kindergartentasche passen.
  2. Leicht. Damit das Kind seine Tasche noch selbst tragen kann.
  3. Einfach zu bedienen. Sowohl für das Kind als auch für das gesamte Team (ErzieherInnen, Therapeuten, Ärzte und die Familie)
  4. Individuell und vielseitig einsetzbar.
  5. Das Kind kann irgendwie mitgestalten und entscheiden wie kommuniziert wird.
  6. Auswahlmöglichkeiten müssen gegeben sein.

Lea dazu: „Letztendlich habe ich mich für den Anybook Reader entschieden und ein individuelles Erzählbuch für Jona erstellt.“

Was ist ein Erzählbuch?

Das Erzählbuch ist ein kleiner Ordner mit Prospekthüllen, in die DIN A6 Karten eingeschoben werden können. Auf jeder Hülle kleben Aufkleber für den Anybook Audiostift. Damit können die einmal auf die Hülle geklebten Sticker immer wieder neu verwendet werden, und nur die Karten in der jeweiligen Hülle werden bei Bedarf neu eingesteckt.

Im Erzählbuch hat Lea verschiedene Bereiche wie zum Beispiel Kindergarten, Zuhause, Wochenende und so weiter eingerichtet: „Gab es an dem Tag etwas Tolles, witziges, außergewöhnliches oder auch blödes zu berichten, können die Fachkräfte in der Kita mit Jona zusammen etwas malen oder einkleben. Dann wird noch ein kurzer Text auf den Anybook Audiostift gesprochen und fertig ist die Seite.“

Einsatz in der Praxis

Für den Bereich Zuhause arbeitet Lea zusammen mit ihrem Sohn. Sie entscheidet mit ihm zusammen, was ins Erzählbuch darf. Nachdem sie fertig sind, kann sich Jona den gesprochenen Text so oft er will anhören. Für die KiTa packt er dann Stift und Buch in seine Tasche und kann es dann den anderen Kindern vorspielen und zeigen. Somit kann auch Jon im Morgenkreis von seinen Erlebnissen berichten, und seine Freunde verstehen ihn nun auch.

Ein paar Tipps aus der Praxis von Lea dazu:

  1. Textlänge: Versuche, die Texte immer recht kurz zu halten (2-5 Sätze). So kann dein Kind die Informationen besser erfassen.
  2. Anrede: Derjenige, der auf den Anybook Audiostift spricht, ist auch der Erzähler. D.h. wir sagen „Jona hat …“. Denn das Kind erkennt bereits, wer da spricht und würden wir aus seiner Perspektive erzählen, würde ihn das verwirren.
  3. Aufzählungen: Auch hier gilt: Überschaubar halten. Zum Beispiel sagen wir: „Wir waren auf dem Markt. Dort haben wir Äpfel, Birnen und Käse gekauft.“ Als Erwachsene neigen wir oft dazu, „Äpfel, Birnen, Käse, Wurst und Rosinenbrötchen“ zu sagen. Aber bei Jona ist nach drei Dingen die Aufmerksamkeit einfach nicht mehr da. Frei nach dem Motto „eins, zwei, drei, viele“, dass kennt ihr bestimmt auch!
  4. Häufigkeit: Wie oft muss denn was Neues im Buch sein? Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Wir berichten erstmal nur über die Wochenenden für den Kindergarten. In der Kita wird nur etwas in das Buch geschrieben, wenn es auch etwas zu berichten gab und wenn Zeit dafür da war. So stressen wir niemanden aus dem Umfeld des Kindes damit. Es muss einfach in den Alltag passen. Viel wichtiger ist, dass dein Kind dabei ist, wenn der Bericht verfasst wird. Vielleicht  malt es auch etwas oder klebt etwas ein, so dass der Bezug zum Erlebnis da ist.
  5. Zeitangaben: Wenn man auf Zeitangaben wie „heute“ oder „Samstag“ verzichtet, sind die meisten Geschichten auch langlebig. Das heißt, dein Kind kann sie sich wochenlang anhören. Wir hatten mal eine Geschichte über eine Erzieherin, die vom Stuhl gefallen ist und auf dem Rücken lag wie ein Käfer. Alle Kinder und auch die Erzieherin haben sehr über das Ereignis gelacht. Jona hat sich die Story 1000 mal gehört und mit Gesten nacherzählt und gelacht. Bei jedem Anhören kam nach und nach eine Geste mehr, ein Name mehr, bis er die Szenen letztlich richtig nachgespielt hat.
  6. Wiederverwendbarkeit: Wenn die Aufkleber außen auf der Hülle kleben, spart man sich etwas Arbeit und Geld. Die Karten lassen sich schnell austauschen. Den Aufkleber kann man immer wieder neu besprechen.

Anleitung und schnelle Aufnahme: Damit die Aufnahme mit dem Anybook Reader leichter und schneller ist, gibt es Befehlssticker. Diese habe ich mir auf eine Verkleinerte Anleitung geklebt und ebenfalls in eine A6 Hülle ganz hinten im Erzählbuch untergebracht. Sie ist dann immer und überall griffbereit. Die Aufkleber zur Aufnahme-Steuerung könnt ihr natürlich auch auf die vordere innere Umschlagseite vom Erzählbuch kleben.

Auf Lea’s Blog findet ihr zudem die komplette Materialliste für das beschriebene Erzählbuch: https://www.trisomie21-aachen.de/erzaehlbuch/