Von der totalen Ablehnung zur absoluten Überzeugung – mein Weg zum Anybook Reader

Die totale Ablehnung

Meine erste Berührung mit „Vorlesestiften“ hatte ich, als meine eigenen Kinder noch im Kleinkind- bzw. Grundschulalter waren. Mit innerem Gruseln beäugte ich die technische Neuheit, die nun in die Kinderzimmer Einzug hielt. „Vorlesen durch die Eltern war out“ so schien es mir und meine innere Sonderpädagogen-Stimme schrie gequält auf: „Wo bleibt die Kommunikation? Das gemeinsame Leseerlebnis? Sollen unsere Kinder in Zukunft einsam im Kinderzimmer hocken und von seelenlosen Stiften vorgelesen bekommen?“

Meine ablehnende Haltung behielt ich auch, als einige Zeit später mein damaliges Kollegium solche Stifte für den Englischunterricht anschaffte. „Überflüssig“ dachte ich – und als „kommunikationsschädigend“ wertete ich die Anschaffung ab.

Die Gedanken änderten sich …

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich schon als Sonderpädagogin in der Inklusion an Grundschulen – mit teilweise wechselnden Einsatzorten. Ich betreute und förderte Kinder mit Unterstützungsbedarf vor allem im Bereich Lernen, arbeitete präventiv und beriet Kolleg*innen. In meinen Einsatzbereich fielen nach und nach auch einige geflüchtete Kinder, die ohne Deutschkenntnisse von einem Tag auf den anderen in den Klassen saßen. Diese Kinder konnten nicht nur kein Deutsch, sondern häufig konnten sie auch unsere Schrift nicht lesen oder sogar überhaupt nicht lesen. Und plötzlich wünschte ich mir ein Medium, mit dem diese Kinder auch im sprachlichen Bereich selbstständig üben konnten. Die Ausstattung an den Schulen mit PC, Tablet, Software etc. war dürftig und so gab es wenig technische Möglichkeiten, die Kinder auch über diese Medien beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen. In meinem Wunsch nach einem einfachen Medium zur Unterstützung fielen mir die Vorlesestifte wieder ein und ich begann, mich erstmalig ernsthaft mit ihnen zu beschäftigen und nach Möglichkeiten zu suchen.

Auf meiner Suche stieß ich recht schnell auf den Anybook Reader. Die Idee, Sticker selbst zu besprechen, gefiel mir immer besser. So könnten die Schüler auch außerhalb meines Förderunterrichts von mir Hilfestellung erhalten oder sprachliche Aufgaben bearbeiten. Ein fehlender Wortschatz wäre bei Aufgaben kein Problem mehr, wenn ich entsprechende Sticker dazu kleben würde. Die Gedanken begannen in mir zu arbeiten …

Experimentieren und lernen

Vor etwa einem Jahr wagte ich dann das Experiment und bat meine Schulleitung um die Anschaffung dreier Anybook Reader. Diese wurde sofort genehmigt und ich konnte starten. Seitdem bin ich am Ausprobieren und Lernen, erlebe begeisterte Schüler*innen im Umgang mit den Stiften und entdecke immer mehr Möglichkeiten!

Momentan setze ich die Reader vorrangig in einer Gruppe von drei Förderkindern ein. Alle drei haben den Unterstützungsbedarf Lernen und stehen noch am Beginn des Lesenlernens. Im Förderunterricht üben wir regelmäßig den Einsatz der Stifte und erarbeiten gemeinsam neue Übungen. Seitdem die Kinder im Umgang damit recht sicher sind, gebe ich die Anybook Reader auch mit in die Klasse. Hier arbeiten die Schüler*innen mit Kopfhörern an ausgewählten Übungen, z.B. an Klettmappen.

Aus absoluter Überzeugung

Mittlerweile ist aus dem ersten scheuen Testen und Ausprobieren ein regelmäßiges, überzeugtes Anwenden geworden. Kinder, die in Grundschulen inklusiv beschult werden, erhalten nur wenige Förderstunden. In der restlichen Zeit versuchen die Klassenlehrkräfte, sie in den Unterricht zu integrieren und daran teilhaben zu lassen; die Kinder bearbeiten individuelle Aufgaben und müssen häufig damit recht selbstständig umgehen. Mit dem Medium des Anybook Readers ist es mir nun möglich, eine Brücke zu schlagen zwischen dem Förderunterricht und dem Klassenunterricht. Die Kinder hören auch während des Arbeitsplanes meine Stimme und die Klassenlehrkraft wird entlastet und muss nicht jede Aufgabe erklären.

Ich setze den Anybook Reader momentan in folgenden Bereichen ein: Lernspiele, Erklärung von neuen Aufgabenstellungen, Korrekturen/Hinweise in Arbeitsheften und… Klettmappen – gerade Letzteres gern und oft!

Eine weitere Einsatzmöglichkeit habe ich gerade erst ganz neu entdeckt: Die Deutschlehrerin der Förderkinder kam auf mich zu und erzählte mir, dass die Klasse in den nächsten Wochen gemeinsam ein Erstlesebuch lesen wird. Sie fragte mich, wie denn die Förderkinder am besten beteiligt werden können. Spontan hatte ich die Idee, den Anybook Reader zu nutzen, und so habe ich nun jede Seite des Buches mit einem Sticker beklebt und die Texte aufgesprochen. Dadurch können die drei Noch-nicht-Leser die gleichen Texte, die ihre Mitschüler*innen lesen, selbstständig hören und sich auditiv erarbeiten. Sie können genauso wie die Klasse die Geschichte mitverfolgen und sich am Klassenthema beteiligen.

Schlussgedanken

Von der totalen Ablehnung zur absoluten Überzeugung … Dieser Wandel war für mich selbst sehr spannend. Jetzt liebe ich es, die Begeisterung und hohe Motivation der Kinder zu beobachten und zu erleben. Vom ersten Staunen über kleine Irritationen („Wer spricht da?“) bis hin zu der Erkenntnis mit leuchtenden Augen: „Das bist ja du!“

Der Anybook Reader ist mittlerweile aus meinem Förderunterricht nicht mehr wegzudenken und ich freue mich darauf, noch viele weitere Einsatzmöglichkeiten zu entdecken!

Janet Stadelmeier

Allgemeine Hinweise: 

Dieser Erfahrungsbericht stammt von Janet Stadelmeier. Neben der Lehrertätigkeit arbeitet Janet Stadelmeier als Autorin für Unterrichtsmaterial. Unter dem Pseudonym „Frau Stachelmeier“ veröffentlicht sie Materialien auf der Plattform eduki und berichtet auf Instagram aus dem Förderlehrerinnenalltag. Sie bereichert unsere Best Practice mit selbst erstellten Materialien für den Anybook Reader.

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